KI und das Produktivitätsparadox: Warum Zeitersparnis sich nicht immer sofort bezahlt macht

Unternehmen fokussieren sich zunehmend darauf, KI-Produktivität in ihre Personalstrategie zu integrieren. Dazu entwickeln sie Modelle, die die Zeitersparnis in messbaren Unternehmensergebnissen ausdrücken.

December 22, 2025 - 1:00 PM

Jetzt, da die Einführung von KI in vollem Gange ist, fokussieren sich Unternehmen nicht mehr nur auf Akzeptanzquoten, sondern entwickeln Modelle, um die Auswirkungen zu quantifizieren. Zwar verbessert KI die Produktivität, aber die Beschäftigten nutzen die gewonnene Zeit nicht immer für hochwertige Tätigkeiten. Sich ausschließlich auf zeitbasierte Kennzahlen zu verlassen, könnte den tatsächlichen Mehrwert der KI für Beschäftigte und Unternehmen schmälern.

Das Produktivitätsparadox

Laut dem Bericht Global Workforce of the Future 2025 der Adecco Group glauben Beschäftigte, dass sie durch den Einsatz von KI durchschnittlich zwei Stunden täglich einsparen. Dennoch tun sich die Mitarbeitenden schwer, diese als positiv wahrgenommene Bilanz in messbare Ergebnisse für das Unternehmen zu übersetzen. Laut eigener Aussage investieren die Mitarbeitenden die gewonnene Zeit am häufigsten in strategisches Denken, Qualitätssicherung und Weiterbildung. Zwar sind diese Bereiche wertvoll, aber schwer zu quantifizieren.

Diese Diskrepanz offenbart ein größeres Problem: Zeitersparnis bedeutet nicht automatisch Wertschöpfung. Ohne klare Modelle dafür, wie KI-gestützte Arbeit zu den Unternehmenszielen beiträgt, neigen Mitarbeitende möglicherweise dazu, sich auf Aufgaben zu konzentrieren, die zwar produktiv erscheinen, aber nicht strategisch ausgerichtet sind.

Quelle: Global Workforce of the Future 2025, Seite 18

Nur ein Drittel kann Ergebnisse messen

Der Bericht ergab, dass nur 36 % der Arbeitnehmer:innen die Ergebnisse ihrer Arbeit zuverlässig messen können. Dies ist ein entscheidender blinder Fleck. Wenn Mitarbeitende nicht verstehen, inwieweit ihre Arbeit zu Ergebnissen führen, können sie weder ihre Leistung noch ihre Entwicklung optimieren.

Zukunftsfähige Beschäftigte zeichnen sich laut Bericht durch Anpassungsfähigkeit, technisches Know-how und Proaktivität aus. Mitglieder dieser Gruppe werden mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit zu hochwertigen Aufgaben angeleitet und verstehen, wie ihre Rollen auf die Unternehmensziele einzahlen. Darüber hinaus übernehmen diese Arbeitnehmer:innen auch eher Verantwortung für ihre berufliche Weiterbildung und Karriereplanung.

Quelle: Global Workforce of the Future 2025, Seite 18

Kennzahlen im KI-Zeitalter neu definieren

Unternehmen integrieren KI in ihre Arbeitsabläufe – gleichzeitig scheinen traditionelle Leistungskennzahlen nicht mehr den kompletten Mehrwert dieser Technologie zu erfassen. Jessica Swank, Chief People Officer bei Box, erklärte im LHH-Podcast „Talk Talent to Me“, wie sie den Erfolg von KI neu definiert:

„Wir denken immer an den Return-on-Investment, aber ich betrachte eher den Return-on-Time. Spart KI uns Zeit, steigert sie die Effizienz, hilft sie uns, mehr zu erreichen oder führt sie zu besseren Ergebnissen? Während der offenen Einschreibungsphase hatten wir beispielsweise über 1.500 interne Anfragen, von denen unser KI-Tool mehr als die Hälfte beantworten konnte. Wir betrachten KI als eine Art Superkraft, die uns dabei hilft, unsere Arbeit, unsere Abläufe und die Zeit bis zur Markteinführung zu verbessern“, sagt Swank.      

Um die Auswirkungen der KI besser abzubilden, sollten Unternehmen sich folgende Fragen stellen:

  • Wertebasierte Kennzahlen: Was trägt KI-gestütztes Arbeiten zu Umsatz, Innovation und Kundenzufriedenheit bei?
  • Geschwindigkeit lernen: Wie schnell erwerben Beschäftigte neue Fähigkeiten und wenden sie an?
  • Qualität der Zusammenarbeit: Verbessern KI-Tools die Teamarbeit und die funktionsübergreifende Problemlösung?
  • Vertrauensindikatoren: Haben die Mitarbeitenden Vertrauen in den Einsatz von KI im gesamten Mitarbeiterlebenszyklus?

Die Führungsaufgabe

Die Führungskräfte von heute müssen mehr tun, als nur Ziele zu setzen. Sie sollten Klarheit schaffen, Vertrauen fördern und Mitarbeitende befähigen, im Zusammenspiel mit der Technologie erfolgreich zu sein. Das bedeutet, den Menschen nicht nur zu vermitteln, was sie tun, sondern auch, warum das wichtig ist.

  • Kommunizieren Sie, wie KI zur Unternehmensstrategie passt, damit die Beschäftigten das große Ganze sehen können.
  • Beziehen Sie die Mitarbeitenden in die Neugestaltung ihrer Aufgaben ein und geben Sie ihnen ein Mitspracherecht bei der Weiterentwicklung ihrer Rollen.
  • Bieten Sie Tools zur Messung der individuellen Leistung an, damit die Mitarbeitenden ihre Arbeit mit den Ergebnissen in Verbindung bringen können.
  • Fördern Sie die berufliche Weiterentwicklung durch gezielte Fortbildungen, damit alle in die Zukunft blicken können.

Die Arbeit der Zukunft macht es erforderlich, die Themen Leistung und Fortschritt stärker auf den Menschen auszurichten. Erfahren Sie mehr in unserem Bericht 2025 Global Workforce of the Future.

 

Global Workforce of the Future 2025

Die Studie „Global Workforce of the Future” der Adecco Group untersucht die sich wandelnde Arbeitswelt aus Sicht der Arbeitnehmer:innen. Diese Ausgabe konzentriert sich auf die aktuelle Wahrnehmung von KI und untersucht die Erwartungen der Beschäftigten hinsichtlich der Umgestaltung von Arbeitsplätzen.