Rücksichtsvoller Umgang mit Personalabbau

Beim Stellenabbau kann ehrlich ausgedrücktes Einfühlungsvermögen gegenüber betroffenen Mitarbeitern den Schock für jeden Beteiligten mildern.

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Unternehmen jeder Größe und aus allen Sektoren durchlaufen momentan schwierige Zeiten. Viele Unternehmen sind gegenwärtig oder zukünftig mit schwierigen Entscheidungen konfrontiert, wenn sie ihre Lage in einem sich rasch verändernden Markt- und Wirtschaftsumfeld beurteilen.

Der Umgang der Unternehmen mit ihren Mitarbeitern, bei deren Austritt oder Entlassung, ist genauso wichtig, wie der Umgang mit ihnen während des aktiven Beschäftigungsverhältnisses.

Maßnahmen wie Kurzarbeit, flexible Arbeitsregelungen, Nullrunden und Einstellstopps zur Begrenzung von Arbeitsplatzverlusten wurden in den letzten drei Monaten ebenfalls eingesetzt. Wenngleich dadurch sicherlich einige Arbeitsplätze gerettet oder sofortige Streichungen verhindert werden konnten, sind diese Maßnahmen selbst für die Unternehmen, die wirtschaftlich von den COVID-19-Folgen schwer getroffen wurden, keine Lösung.

Auch wenn Personalbbau oftmals unvermeidbar ist, hat doch der Umgang mit dieser Situation durch Unternehmen sehr große Auswirkungen auf den Ruf des Unternehmens, auf die Bindung und die Motivation der verbleibenden Mitarbeiter – vom zukünftigen Erfolg des Unternehmens ganz zu schweigen. Erst kürzlich konnten wir enorme Unterschiede beim Umgang mit Stellenabbau beobachten, wobei einige Unternehmen Empathie, Unterstützung und greifbare Hilfe bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz geboten haben. Während andere wiederum erheblich weniger unterstützend oder empathisch waren.

Zoom ist kein Freifahrtschein

Ein sehr gutes Beispiel für einen besonders schlechten Umgang mit Personalabbau lieferte Uber. Das Dienstleistungsunternehmen beschloss im Mai 2020 den Abbau von 3.500 Arbeitsplätzen. Dass Uber Stellen abbauen musste, ist angesichts der aktuellen Lage in gewissem Maße nachvollziehbar. Die Entscheidung jedoch, diese Maßnahme per Zoom in einem dreiminütigen Gespräch und mit sofortiger Wirkung umsetzen, war schwer verständlich. Über dieses Vorgehen wurde ausführlich berichtet. Es gilt als Beispiel für ein Unternehmen, das seine Mitarbeiter ohne Respekt und Einfühlungsvermögen behandelt hat. Die langfristigen Auswirkungen auf die Leistung und die Reputation eines Unternehmens sollten nicht unterschätzt werden.

Interessanterweise hat AirBnB – ebenfalls ein Paradebeispiel für die Sharing-Economy – zwar ebenfalls Stellen abgebaut, ist dabei aber viel sensibler und konstruktiver vorgegangen. Das Unternehmen musste seine Mitarbeiterzahl um 25% verringern – das entspricht rund 1.900 Mitarbeitern. Der Unterschied hier war, dass der Mitgründer und CEO die anstehenden Stellenstreichungen transparent und offen kommuniziert hatte. Er ließ jedem Mitarbeiter klare und detaillierte Informationen zu der jeweils zustehenden Abfindung und Unterstützung zukommen. Dieses Paket umfasste Workshops sowie Unterstützung beim Verfassen der Bewerbungsunterlagen und der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle.

Die menschlichen Folgen beachten

Ein Großteil von uns ist in Telearbeit bzw. im Homeoffice tätig, sodass zahlreiche schwierige Gespräche wohl per Videoanruf geführt werden. Die Nutzung von Zoom für die Bekanntgabe von Entlassungen gibt den Unternehmen aber keinen Freifahrtschein, um schnell ein paar Leute zu entlassen und wieder zur Tagesordnung überzugehen. Der Umgang der Unternehmen mit ihren Mitarbeitern bei deren Austritt ist genauso wichtig wie der Umgang mit ihnen während des aktiven Beschäftigungsverhältnisses. Dies ist eine im Personalwesen allgemein anerkannte Tatsache.

Das bedeutet nicht, dass Unternehmen Personalabbau um jeden Preis verhindern müssen. Sie müssen aber die menschlichen Folgen beachten – und dies gilt heutzutage mehr denn je. Von Unternehmen wird erwartet, dass sie „korrekt handeln“, und wer diese Erwartung nicht erfüllt, kann schnell in den öffentlichen Fokus geraten und langfristige Rufschädigungen erleiden.

Stellenabbau und die Wahrung eines positiven Images, sowie des Arbeitnehmerengagements, schließen sich nicht gegenseitig aus, solange die Mitarbeiter mit Respekt behandelt werden und eine offene und ehrliche Kommunikation gepflegt wird.

Langfristige Folgen

„Behandle deine Mitarbeiter gut, denn sie kümmern sich um deine Kunden, die wiederum dich aufsuchen.“ Dieses Mantra des britischen Erfolgsunternehmers Sir Richard Branson gilt immer noch. Unternehmen müssen also die möglichen langfristigen Folgen eines unangemessenen Umgangs mit Stellenabbau sehr genau im Auge haben. Dazu zählen auch die gebührliche Berücksichtigung des zukünftigen Personalbedarfs und die Überprüfung von Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten.

Für den Fall, dass Sie jetzt oder in Zukunft gezwungen sind, Arbeitsplätze abzubauen, haben wir einige wichtige Tipps für eine einfühlsame Gestaltung dieses Prozesses zusammengestellt:

1. Kommunikation ist das A und O

Es ist von größter Wichtigkeit, dass die Mitarbeiter sowohl im Vorfeld zu Personalabbau als auch während dieses Prozesses stets informiert bleiben. Unternehmen sollten transparent über die internen Kanäle kommunizieren und auch die Möglichkeit persönlicher Einzelgespräche anbieten.

2. Unterstützung bei der Stellensuche

Der Großteil der entlassenen Mitarbeiter wird sich sofort wieder auf die Suche nach einer neuen Stelle begeben. Überlegen Sie, wie Sie hier unterstützen können. Sie können beispielsweise Workshops zur beruflichen Neuorientierung, für erfolgreiche Vorstellungsgespräche, zum Verfassen der Bewerbungsunterlagen und sogar LinkedIn-Tipps anbieten. Oftmals benötigen diese Mitarbeiter Hilfe bei der Bestimmung von alternativen oder ähnlichen Positionen in anderen Branchen, sowie Zuspruch für die Weiterverfolgung dieser Möglichkeiten. Wenn Sie diese Unterstützung anbieten können, dann tun Sie das. Besteht an anderer Stelle in Ihrem Unternehmen möglicherweise Personalbedarf? Wenn ja, könnten die freigesetzten Mitarbeiter bei entsprechender Eignung eventuell dort eingesetzt werden. Stellen Sie sicher, dass die betroffenen Mitarbeiter von diesen freien Stellen Kenntnis haben und unterstützen Sie sie während des Prozesses.

3. Ignorieren Sie nicht den Halo-Effekt

Personalabbau betrifft das gesamte Unternehmen, nicht nur diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verlieren. Studien weisen darauf hin, dass die verbleibenden Mitarbeiter eine höhere Motivation zeigen, aber auch darauf, dass die Produktivität zurückgeht. Genau deshalb ist es wichtig, dass sich diese Teams unterstützt fühlen, dass sie die Gründe für den Stellenabbau kennen und dass sie wissen, wie es weitergeht.

4. Förderung der mentalen Gesundheit

Das sind außergewöhnliche Umstände. Wer von Personalabbau betroffen ist, sieht sich noch mit vielen weiteren Schwierigkeiten konfrontiert – Sorgen um die Familie und vielleicht ein Gefühl des Alleinseins. Zusätzliches Einfühlungsvermögen und die Anerkennung der weiteren Lebensereignisse dieser Mitarbeiter sind von größter Bedeutung.

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