Ist der Belastbarkeitsakku Ihres Unternehmens leer? Fünf Schritte zum Wiederaufladen

Belastbarkeit ist wie ein Akku: Um eine volle Ladung zu haben, muss er entsprechend gepflegt und regelmäßig aufgeladen werden. Wenn der Belastbarkeitsakku zu lange in einer rauen und feindlichen Umgebung betrieben wird, ist er irgendwann erschöpft und verliert Leistung.

Alex Vincent, Ph.D., SVP, Global Executive Client Partner, LHH und Joanne Layne, SVP, Client Partner, LHH
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Let's talk

Eine der bittersten Lektionen, die wir während der weltweiten COVID-19-Pandemie gelernt haben, ist wohl, dass wir gegen mehr als eine Pandemie ankämpfen. Neben dem Virus kämpft die Welt gegen einen Mangel an kollektiver Belastbarkeit an.

 

Zusätzlich zu den Infektionen mit dem neuen Coronavirus leidet die Welt unter einer Pandemie emotionaler und psychologischer Erschöpfung, die zu weit verbreiteten physischen und mentalen gesundheitlichen Problemen bis hin zu einem Anstieg der Suizidrate geführt hat. Am alarmierendsten ist die Tatsache, dass viele der Menschen, die wir für am belastbarsten gegenüber dieser Art von Stress halten, diejenigen sind, die am meisten leiden.

 

Vor allem Ärzte und Pfleger haben mit dem unablässigen Stress durch die Pandemie zu kämpfen. Eine Umfrage im September unter mehreren Tausend Gesundheitsfachkräften in 60 Ländern ergab, dass mehr als die Hälfte emotionale Burnoutsymptome durch das Management der COVID-19-Pandemie bei sich feststellen. Erkenntnisse wie diese haben die Weltgesundheitsorganisation veranlasst, eine Warnung an die Gesundheitsbehörden auszugeben, die psychische Gesundheit der Gesundheitsdienstleister im Auge zu behalten, insbesondere angesichts der potenziellen Zunahme an COVID-19-Fällen im Herbst.

 

Einerseits ist es leicht zu verstehen, wie und warum Gesundheitsfachkräfte zu dem am stärksten betroffenen Sektor zählen; sie fungieren als eine dünne weiße Linie, die gegen die Ausbreitung des COVID-19 ankämpft. Aber andererseits müssen sie an zahlreichen Schulungen und Fortbildungen teilnehmen, um sie in wahre „Belastbarkeitssuperhelden“ zu verwandeln.

 

Die weltweite Pandemie des emotionalen Burnouts unter Gesundheitsfachkräften trägt dazu bei, ein allgemeines Missverständnis bezüglich Belastbarkeit aufzudecken: Sie ist keine unendliche Ressource, auch nicht bei besonders tapferen Menschen.

 

Belastbarkeit gehört zu den wünschenswertesten Eigenschaften in der heutigen Geschäftswelt

 

In der Geschäftswelt ist Belastbarkeit eine hoch geschätzte Eigenschaft sowohl für Führungskräfte als auch für ihre Mitarbeiter. Sie tendiert dazu, als Catch-all-Etikett zu funktionieren, das sind besonders kreative Mitarbeiter, die sich schneller von stressigen Ereignissen erholen.

 

Belastbarkeit gilt als Schlüsselqualität für Führungsrollen, da sie eng mit Konzepten wie emotionaler Intelligenz und beweglichem Denken zusammenhängt. Diese beiden Führungsphilosophien basieren auf Personen, die unabhängig und entschlossen sind und mit gutem Beispiel voran gehen. Dies sind die Qualitäten, die Belastbarkeit in einem Geschäftsumfeld ausmachen.

 

Experten für die Entwicklung von Führungskräften haben Belastbarkeit im Geschäftsumfeld untersucht, sie müssen jedoch einräumen, dass sie sich auch auf zahlreiche andere, subtilere Weise äußern kann. Eigenschaften wie Aufrichtigkeit, Einfallsreichtum, Selbstlosigkeit, Bescheidenheit und Einfühlungsvermögen alle in enger Beziehung zu emotionaler Intelligenz und beweglichem Denken gelten heutzutage als grundlegende Eigenschaften einer belastbaren Führungskraft.

 

In all diesen Gesprächen kommen jedoch kaum die Faktoren zur Sprache, die Belastbarkeit aushöhlen.

Der Belastbarkeitsakku

 

Bei der Betrachtung der Belastbarkeit von Führungskräften oder Mitarbeitern stellen sich die meisten Unternehmen dieselben vorformulierten Fragen: Wer hat sie und wie kann er sie steigern? Außerdem wollen sie wissen, ob sie ihre Mitarbeiter trainieren können, belastbarer zu werden, oder ob sie eine Eigenschaft ist, die für ein Unternehmen aus einem externen Talentpool gewonnen werden muss.

 

Nur wenige Unternehmen berücksichtigen in ihren Überlegungen über Belastbarkeit Faktoren wie die Kultur und das Arbeitsumfeld. Eine oft übersehene Tatsache ist, dass toxische Arbeitsumfelder mit toxischen Führungskräften die Belastbarkeit von selbst den stärksten und fähigsten Personen erschöpfen kann.

 

Belastbarkeit ist wie ein Akku: Um eine volle Ladung zu haben, muss er entsprechend gepflegt und regelmäßig aufgeladen werden. Wenn der Belastbarkeitsakku zu lange in einer rauen und feindlichen Umgebung betrieben wird, ist er irgendwann erschöpft und verliert Leistung. Belastbarkeit kann durch Entwicklung, Übung, Ruhe und Erholung wieder aufgeladen werden.

 

 

Unternehmen, die die Belastbarkeit ihrer Mitarbeiter verbessern oder unterstützen möchten, sollten unbedingt eine umfassende Analyse durchführen und schnellstmöglich Abhilfemaßnahmen einführen.

 

Frühwarnsignale von erschöpfter Belastbarkeit und mögliche Maßnahmen

 

Der erste Schritt besteht darin, festzustellen, ob der Belastbarkeitsakku Ihres Unternehmens schwach ist. Die gute Nachricht ist, dass die meisten psychometrischen Tests eine relativ präzise Momentaufnahme der Belastbarkeit der Person und des Unternehmens liefern. Diese Tests können in zahlreichen wichtigen beruflichen Momenten durchgeführt werden: Einarbeitung, Beförderung und Führungsmöglichkeiten, Einsätze im Ausland und Zuweisung von wichtigen Projekten.

 

Auf Dauer gibt es jedoch zahlreiche Initiativen, auf die Unternehmen achten und die sie dringend angehen sollten, um die Belastbarkeitsakkus ihrer Mitarbeiter aufzuladen:

 

  1. Holen Sie sich Feedback.. Einfach gesagt: Sie können nicht wissen, ob es ein Problem gibt, wenn Sie Ihre Mitarbeiter nicht fragen, wie es ihnen geht. Engagement-Umfragen können ein wichtiges Frühwarnsystem für ein Belastbarkeitsdefizit sein. Es gibt jedoch noch weitere psychometrische Instrumente – wie die Connor-Davidson Resilience Scale–, die die individuelle Belastbarkeit einer Mitarbeitergruppe präzise messen kann.

     

  2. Achten Sie genau auf die Frühwarnsignale von schwindender Belastbarkeit. Psychologisch unsichere Arbeitsplätze sind fast immer Schauplatz hoher Kündigungs-, Absentismus- und Krankschreibungsraten. Gemeinsam liefern diese Maßstäbe eindeutige Beweise dafür, dass die grundlegenden Arbeitsbedingungen die Belastbarkeit Ihrer Belegschaft untergraben.

     

  3. Achten Sie auf Mitarbeiter, die sich zu viel abverlangen. Verschieben Ihre Mitarbeiter ständig ihren bezahlten Urlaub oder beantworten sie berufliche E-Mails in ihrer Freizeit an Abenden, Wochenenden und Feiertagen? Dies sind verräterische Anzeichen, dass die Belastbarkeitsakkus dieser Mitarbeiter irgendwann erschöpft sein werden. Niemand, nicht einmal die widerstandsfähigsten Leistungsträger, können Work-Life-Balance außer Acht lassen und belastbar bleiben.

     

  4. Unterstützen Sie einen psychologisch sicheren und gesundheitsfördernden Arbeitsplatz. Selbst von Natur aus belastbare Mitarbeiter verlieren irgendwann die Fähigkeit, sich anzupassen, auszuharren und sich zu erholen, wenn sich der Arbeitsplatz durch mangelnde Kommunikation, interne Konflikte, hemmungslose Bürointrigen, schlechte Führung und fehlende Work-Life-Balance auszeichnet.

     

  5. Achten Sie besonders auf die Führungskräfte. Umfangreiche Engagement-Umfragen zeigen, dass Mitarbeiter Unternehmen hauptsächlich verlassen, um einer schlechten oder toxischen Unternehmensführung zu entkommen. Betrachten Sie die Qualität der Führungskräfte in Ihrem Unternehmen unter der Lupe, um sicherzustellen, dass sie die Mitarbeiter nicht vernachlässigen, keine unzumutbaren Arbeitsansprüche stellen, sie nicht sexuell belästigen oder emotional misshandeln.

 

Es ist wichtig, festzuhalten, dass es mit der Einstellung neuer Mitarbeiter und Führungskräfte allein nicht getan ist, um die Belastbarkeit in einem Unternehmen mit einer besonders toxischen Kultur zu verbessern. Sogar die selbstsichersten und fähigsten neuen Mitarbeiter und Führungskräfte haben irgendwann erschöpfte Belastbarkeitsakkus, wenn sie in einem ablehnenden Umfeld arbeiten müssen.

 

Unternehmen können entsprechende Schritte unternehmen, um die Belastbarkeit zu fördern und zu unterstützen, indem sie sich die Zeit nehmen, um Kultur, Führungskräfte und Belegschaft zu analysieren. Sobald die Schwachpunkte identifiziert wurden, müssen praktische Tools bereitgestellt werden, um die Belastbarkeit von Personen auszubauen, die mehr davon brauchen, und die Belastbarkeit von jenen wiederherzustellen, die ihre Akkus in der Frühphase der Pandemie verbraucht haben.

 

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