Wie ich einen Mentor finde und mich weiterentwickle

Ich habe viele Menschen getroffen, die meinen, dass ein Mentoring angeboten werden muss. Meiner Erfahrung nach sind Personen, die Sie fragen, Sie beruflich unter ihre Fittiche zu nehmen, mehr als bereit zu helfen.“ Frank Congiu

Frank Congiu
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Kaum ein Moment in unserem Berufsleben ist schwieriger, als sich von einem vertrauten Vorgesetzten und Mentor verabschieden zu müssen. Wenn die Beziehung gut ist, sind das die Personen, die uns informieren, leiten und uns zu besseren Mitarbeitern machen als vor unserer Bekanntschaft.

 

Und wenn sie ihrer Wege gehen, um ihre eigenen Interessen zu verfolgen, kann das ein harter Schlag sein. So habe ich mich jedenfalls gefühlt, als mein Chef und Mentor, Christoph Niebel, seine Funktion als Chief Sales Officer von LHH aufgab, um fortan als President bei Pontoon zu arbeiten, einem Schwesterunternehmen der Adecco Group.

 

Ich habe mehr als fünf Jahre für Christoph gearbeitet und während dieser Zeit habe ich mich bei ihm immer stärker, besser und selbstbewusster gefühlt. Er hat mich stets dazu ermutigt, im Gespräch mit Kunden ich selbst zu sein, und Chancen zu nutzen, um unseren Geschäftsplan voranzubringen. „Es gibt nichts, für das wir nicht gemeinsam eine Lösung finden können“, hat er mir oft gesagt.  Außerdem hat sich mein Antrieb durch ihn verbessert. Ich kann mich noch an mein erstes Gespräch mit ihm erinnern und an eine Haftnotiz auf seinem Bildschirm, auf der stand: „Besser werden endet nie.“

 

Wenn ich Christophs Weggang etwas Positives abgewinnen kann, dann, dass ich bestimmt einen anderen Mentor finden werde, der mir hilft, mich weiterzuentwickeln und meine Karriereziele zu erreichen. Ich weiß das, weil ich in meinem Leben immer Mentoren hatte. Und das habe ich nicht dem Zufall überlassen; ich habe sie gezielt ausgesucht.

 

Ich kann mich noch erinnern, dass ich das erste Mal in der 6. Klasse einen Mentor gesucht habe. Ich bin in einer sehr bescheidenen Familie in Greenwich, Conn, aufgewachsen. Von frühen Kindesbeinen an war mir bewusst, dass viele Menschen mit Armut zu kämpfen hatten, dass es in der Stadt aber auch viel Reichtum gab. Ich schwor mir selbst schon sehr früh im Leben, dass ich hart arbeiten würde, um es einmal besser zu haben.

 

Meine Eltern haben mich sicherlich die Bedeutung von harter Arbeit gelehrt. Trotzdem nutzte ich jede Gelegenheit, um erfolgreiche Menschen zu fragen, was ihren Erfolg ausmacht. Von der Mittelstufe bis zur Oberstufe hatte ich mehrere Teilzeitjobs und ich verpasste nie die Chance, meine Chefs zu fragen, wie und warum sie etwas taten.

 

Ich fragte auch die Eltern von Freunden besser gestellter Familien nach ihren Erfahrungen. Während andere Kinder im Pool planschten, stellte ich Fragen, was ich tun musste, um eines Tages selbst ein Pool zu besitzen. Für mich schien es eine Selbstverständlichkeit, dass erfolgreiche Menschen eine wertvolle Informationsquelle seien, wie ich selbst Erfolg haben könnte.

 

Durch harte Arbeit und indem ich möglichst viel von erfolgreichen Bekanntschaften lernte, sollte ich schließlich als Erster meiner Familie die Universität besuchen und absolvieren. Auch während meiner beruflichen Laufbahn hörte ich nie auf, Mentoren zu suchen, die mir auf die nächste Ebene des Erfolgs verhalfen.

 

Bei der Mentor-Mentee-Dynamic wird ein sehr wichtiger Aspekt häufig missverstanden: Sie müssen bereit sein, Hilfe von einem Mentor zu fordern.

 

Ich habe viele Menschen getroffen, die meinen, dass ein Mentoring angeboten werden muss. Meiner Erfahrung nach sind Personen, die Sie fragen, Sie beruflich unter ihre Fittiche zu nehmen, mehr als bereit zu helfen. Im Gegenteil. Sie werden sich geschmeichelt fühlen, dass Sie gefragt haben. 

 

Tatsache ist, dass, außer ihnen wurde im Rahmen eines Einarbeitungs- oder Talentprogramms ein Mentor zugewiesen, sich die meisten Menschen nicht wagen, jemanden zu bitten, ihr Mentor zu sein. Und das bedeutet, dass vielen Leuten der wertvolle Input eines Mentors entgeht. Ohne Mentor sind Sie in Ihrer Karriere im Blindflug unterwegs, unsicher was Kollegen von Ihrer Arbeit halten und was Sie unternehmen müssen, um die Erfolgsleiter hinaufzuklettern.

 

Es gilt jedoch anzumerken, dass ein guter Mentor nicht nur eine Quelle von Ratschlägen und Empfehlungen ist. In Wirklichkeit geht es beim Mentoring um viel mehr als gute Tipps. Ein guter Mentor hört zu, ist an Ihren Ideen interessiert und lässt Sie auch mal zappeln, damit Sie Ihre eigenen Lösungen finden.

 

Zu Beginn meiner Karriere wurde mir ein Mentor zugewiesen, der mir sagte, was ich tun und lassen sollte. Er war immer schnell dabei, mich zu korrigieren, wenn er meinte, dass ich etwas falsch machte. Positives Feedback gab es nicht, genauso wenig wie Gelegenheiten, um Fragen zu stellen oder eigene Ideen einzubringen. Dieser Mann war wie ein Basketballtrainer, der nach dem Spiel nur über diesen einen verpassten Wurf reden will, anstelle all der guten Würfe, die Sie während des Spiels gemacht haben.

 

Christoph hat sich nun einer größeren und attraktiveren Herausforderung zugewendet und wenngleich dies eine Leere in meinem Berufsleben hinterlässt, bin ich optimistisch und zuversichtlich, dass demnächst zwei Dinge eintreten werden:

 

Erstens, ich werde einen anderen Mentor finden. Es gibt sogar schon mehrere Personen in meinem Leben, die mir die gleiche Unterstützung geben können, wie ich sie von Christoph erhalten habe.

 

Und zweitens, im weiteren Verlauf meiner beruflichen Karriere bin ich gewillt und bereit, künftigen Kollegen als Mentor zu dienen. Sie brauchen mich bloß zu fragen.

 

Neben Christoph möchte ich mich kurz auch bei allen anderen Mentoren bedanken, die ich im Laufe meiner Karriere hatte: Keith Ferrazzi, JP Kelly, Darren Reinke, Kevin Gagan und Marshall Goldsmith.

 

 

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