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Sind Sie bereit? Wie Sie den Autopiloten abschalten und sich auf den Wandel vorbereiten

Auf der Arbeit treffen Sie jeden Tag auf viele verschiedene Persönlichkeiten. Wenn der Charakter von der Arbeitsweise stark abweicht, können schnell Missverständnisse entstehen. Der "Myers-Briggs"-Typenindikator hilft Führungskräften, ihre Mitarbeiter und ihre Art zu arbeiten, besser zu verstehen und zu begreifen, wie sich die Persönlichkeit auf das professionelle Verhalten auswirkt.

Als Organisationspsychologin fasziniert mich die Frage, was Menschen dazu veranlasst, sich bei der Arbeit so zu verhalten, wie sie es tun – was sie dazu bringt, im Unternehmen zu bleiben, und was es braucht, um den Schritt in eine neue Richtung zu wagen. COVID-19 und andere globale Ereignisse haben unsere Einstellung zur Arbeit verändert und eine Bewegung ausgelöst, die von vielen als «The Great Resignation» bezeichnet wird. Die Menschen hinterfragen ihr Leben und ihre Arbeit und wünschen sich eine Arbeit, die ihren Werten entspricht. Ich nenne es lieber «The Great Re-evaluation», also gewissermassen eine Zäsur, die eine echte Chance für Innovation und kulturellen Wandel bietet. 

Die Ursachen für den Wandel verstehen

 

Wir bei LHH haben untersucht, was Menschen dazu bewegt, den nächsten Karriereschritt zu wagen. Mithilfe der Datenwissenschaft haben wir uns ein Bild der Faktoren gemacht, welche die Bereitschaft dazu beeinflussen. Am Anfang unserer Studie stand eine Literaturrecherche von über 150 von Experten geprüften Publikationen führender Psycholog:innen und Akademiker:innen zum Thema «Bereitschaft» in der Berufswelt. So konnten wir Massstäbe in Bezug auf die Bereitschaft festlegen und drei Faktoren identifizieren, die den Grad der Bereitschaft einer Person beeinflussen: erstens das persönliche Wohlbefinden, zweitens der Einfluss der Arbeitskultur im Unternehmen und drittens das weitere Umfeld und gesellschaftliche Aspekte. 

Unser Readiness Index wurde von Verhaltenswissenschaftler:innen entwickelt, um den Unterschied zwischen dem, was Menschen über ihr Verhältnis zu ihrer Arbeit sagen, und dem, was sich tatsächlich in ihrem Unterbewusstsein abspielt, genauer zu untersuchen.  Mit unserer quantitativen Umfrage wurden sowohl die bewussten als auch die unbewussten Einstellungen erfasst. Die Menschen wurden ermutigt, bei Ihren Antworten einen Schritt weiter zu gehen, als einfach nur eine spontane Antwort zu geben. Das Ergebnis ist ein wissenschaftlicher Ansatz, der den tieferen Beweggründen der Menschen auf den Grund geht und Arbeitgebenden hilft zu verstehen, wie es um die Bereitschaft ihrer Mitarbeitenden bestellt ist, damit sie sie bei ihrer Entwicklung unterstützen können. 

Wie bereit sind die Menschen?

 

Der Readiness Index ist ein Wert, der sich sowohl aus den impliziten als auch aus den expliziten Antworten auf die Umfrage ergibt. Der Wert auf einer Skala von 1 bis 10 gibt an, wie bereit die Menschen sind, den nächsten Schritt in ihrer Karriere zu wagen, wobei 10 die höchste Bereitschaft ausdrückt. Wir haben 2.000 Personen aus dem Finanzbereich in den USA, Grossbritannien und Frankreich dazu befragt, welche Faktoren einen Einfluss auf ihre Bereitschaft für den nächsten Schritt haben. Erste Resultate weisen auf ein hohes Mass an Bereitschaft in allen von uns befragten Gruppen hin, mit einem Durchschnittswert von 7,7.

Es gab keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern: 78% der Männer und Frauen sagten, sie seien bereit für eine Veränderung. Allerdings hat unsere Umfrage gezeigt, dass es unterschiedliche Beweggründe für den Wandel gibt. Bei Frauen spielen eher innere Beweggründe und das Interesse an Möglichkeiten zur persönlichen Weiterentwicklung eine Rolle. Bedenken hinsichtlich der Zukunft beziehen sich auf den Mangel an Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen. Die befragten Männer hingegen werden eher durch externe Faktoren wie Lohn und Beziehungen am Arbeitsplatz beeinflusst. Die Anzahl Männer, die ihren Vorgesetzten für ungeeignet halten und die sich Sorgen über die zunehmende Technologisierung und andere Umweltfaktoren wie COVID-19 machen, ist 48% höher als die der Frauen.